Der dreitürige Renault Mégane verschwand mit der Einführung der vierten Generation. Auch das Cabriolet gehört ebenso der Vergangenheit an wie die Coupé-Version des Laguna. Diese emotionale dreitürige Karosserievariante des Mégane IV hat es leider nicht in die Serie geschafft.
Text: Tony Vos - Fotos: copyright Renault Design
Je effizienter ein Automobilhersteller eine Plattform nutzen kann, desto besser. Renault nutzte die CMF-Plattform in großem Umfang, unter anderem für den Mégane IV, Talisman, Espace V, Scénic IV, Kadjar und Koleos II, entwickelte aber im Hintergrund noch weitere Features, wie diesen Dreitürer mit dem internen Code DFB.
Laurens van den Acker, Chief Design Officer der Renault Gruppe, erklärt: „Das Projekt 15-40 steht für Autos zwischen 15.000 und 40.000 Euro und führte zu einer großen Anzahl von Modellen, die über einen Zeitraum von zwei Jahren auf den Markt kamen und alle eine ähnliche Basis hatten. Dies sollte den Vorteil der Skalierung bringen. So haben beispielsweise alle diese Autos das gleiche Kombiinstrument, um nur ein Detail zu nennen. Neben den Mainstream-Modellen ging es aber auch um ein Auto, das mehr Emotionen ausstrahlt. Schließlich hatten Modelle wie das Laguna Coupé, der Mégane Dreitürer und der Mégane CC keine direkten Nachfolger mehr. So entstand der DFB auf der verkürzten Basis des Espace unter Beibehaltung der großen Räder“.
Dreiecke sind das Thema des Glasdachs und der Rückleuchten.
Die Silhouette sollte sportlich sein, mit attraktiven Proportionen, die sich unter anderem am dreitürigen Range Rover Evoque, aber auch am Citroën DS4 und Mini Paceman orientierten. Laurens: „Am Ende ist es ein dreitüriges Crossover-Coupé geworden. Aber ein dreitüriges Coupé war in Europa umstritten. Ein dreitüriges Auto schmälert das Verkaufspotenzial, und das Aushängeschild eines Autoherstellers verkauft sich gerne in großen Stückzahlen. Ein attraktives Image allein reicht da nicht aus“.
Das Serienmodell des DFB sollte 2018 als letzter Spross des Projekts 15-40 auf den Markt kommen. „Das galt als sehr spät, um damit Geld zu verdienen. Auch wenn man bedenkt, wie viel Zeit noch für diese Plattform zur Verfügung steht. Aber das Design wurde gelobt, als Crossover-Coupé war das Auto eigentlich seiner Zeit voraus. Für mich persönlich hätte es auch die Form des Mégane IV sein können.
Diese beiden Seiten zeigen die Skizzen des Designers Andrey Basmanov. Ein besonderes Detail ist der in die Falten der Motorhaube integrierte Lufteinlass unter der Windschutzscheibe.
Als Designchefin für das C-Segment und Elektroautos war Agneta Dahlgren eng in das Projekt eingebunden. „Eine der Optionen war, ihn als Fünftürer zu entwerfen. Aber da das endgültige Design des fünftürigen Megane bereits feststand, entschieden wir uns, kein weiteres fünftüriges Modell in das Programm aufzunehmen.
Der DFB sieht nicht aus wie ein Auto, das es schon gab. Er ist eher ein Hybridfahrzeug, das mehrere Elemente vereint. Bei Renault Design bedauerte man, dass es keine Fortsetzung in Form eines Serienmodells gab, aber glücklicherweise inspirierte dieser Entwurf später andere Projekte.
Die Skizzen des Designers Andrey Basmanov stammen von Mitte 2013 und führten bald zum Bau dieses 1:1-Prototypen. Agneta: „Das Auto war etwa 4,25 Meter lang und gehörte zum C-Segment, aber mit den riesigen Rädern des Espace, immerhin das erste Auto auf dieser Plattform. Der Mégane kam 2015/2016 auf den Markt und dieser DFB hätte ein emotionaler Nachfolger des Mégane RS sein können. Aber da war der Zug wohl schon abgefahren.
Das Glasdach des Renault DFB zeigt ein Mosaik aus Dreiecken, ein Designmerkmal, das sich beispielsweise auch in den Rückleuchten wiederfindet. Im September 2013 stellte Renault den Initiale Paris Concept vor, den Vorläufer des Espace V, der ebenfalls ein Glasdach mit einem Aluminiummuster hatte, das den Stadtplan von Paris darstellte. Der Clou: Je nach Sonnenstand bewegten sich die Dreiecke im Innenraum. Ein Innenraum übrigens, der bei diesem Prototyp noch nicht ganz ausgereift war.
Laurens: „Das Dach des Initiale Paris Concept hat uns so gut gefallen, dass wir uns überlegt haben, wie man ein Glasdach in das Design eines neuen Autos integrieren könnte. Seitdem experimentiert Renault mit Glasdächern und damit, wie das Licht gefiltert werden kann. So kann ein solches Dach auch in heißen Ländern eingesetzt werden“.
Agneta: „Eines der Merkmale des DFB ist die sichtbare Struktur der C-Säule. Sie besteht aus Aluminium, und auch hier tauchen immer wieder Dreiecksformen auf. Das gibt uns die Möglichkeit, so viel Glas wie möglich zu verwenden, um mehr Licht in den Innenraum zu bekommen. Ein Sportwagen hat normalerweise einen geschlossenen Innenraum, aber mit diesem Detail haben wir dieses Paradoxon durchbrochen. Die Kombination einer leichten Kabine mit einer sichtbar robusten Karosserie zeigt dem Fahrer, dass er nicht in einem MPV oder SUV sitzt.
Der Renault DFB-Prototyp wirkt kompakter als der Mégane IV, ist aber wegen der großen Räder dicker als der Espace.
„Für jedes Auto, das auf die Straße kommt, werden drei bis vier Modelle abgelehnt“, erklärt Laurens. „Wir haben das DFB-Projekt gestoppt, bevor ein fahrender Prototyp gebaut wurde. Wir organisierten eine weitere Customer Clinic, die auf positive Resonanz stieß. Aber das große Problem blieb, mit einem dreitürigen Modell Geld zu verdienen. Auch international waren die Erwartungen an einen Dreitürer gering. Obwohl Designer Coupés lieben, ist diese Karosserieform vom europäischen Markt praktisch verschwunden. Auch den dreitürigen Clio gibt es nicht mehr, aber wir entwerfen oft fünftürige Modelle, die aussehen und sich anfühlen wie ein Dreitürer. Wäre der DFB ein Fünftürer geworden, hätte er neben dem Mégane Fünftürer zu viel interne Konkurrenz geschaffen“.
Schnell war klar, dass sich nicht genügend Stückzahlen finden ließen. Das bedeutete in der Regel das Aus für ein Projekt. Außerdem war Renault bereits mit dem Gesamtauftritt des 15-40-Projekts zufrieden, das eine neue Identität zeigte. Laurens: „Leider hat der Verzicht auf Coupé und Cabriolet etwas von der Emotionalität genommen. Dafür war einfach kein Geld da.
„In unserem Jargon nennen wir das das 'Dreieck des Todes'. Zuerst ist kein Geld da, um ein Image-Auto vollständig zu entwickeln. Wenn das Geld da ist, stellt sich heraus, dass man als Hersteller damit nichts verdienen kann. Und dann ist der Schwung wieder weg“.
Da aber die gesamte Modellpalette auf der CMF-Plattform basiert, konnte Renault zwischen 2014 und 2016 eine kohärente Modellpalette präsentieren, die die meisten Bedürfnisse einer breiten Kundschaft abdeckte. Dazwischen gab es nur wenig Spielraum. Laurens erinnert sich, dass es Überlegungen gab, eine Coupé-Version des Kadjar zu entwickeln, aber dafür waren die Modelle zu nah beieinander. Außerdem wurde zu diesem Zeitpunkt bereits der Captur ausgeliefert.
Laurens: „Zum Glück hat der DFB die späteren Modelle inspiriert. Der neue Megane E-Tech electric ist zwar etwas kleiner, aber die Dachlinie und die gesamte Silhouette sind sehr ähnlich. Das zeigt, dass ein Prototyp, der nicht zu einem Serienmodell weiterentwickelt wird, auch später noch von Bedeutung sein kann“. ‹›