Der Lutecia V6 ist ein ungewöhnlicher Anblick, egal ob man das Profil oder die Front- und Heckpartie betrachtet.
Renault werden auf der ganzen Welt verkauft, auch an Orten und in Ländern, wo man es nicht sofort vermutet. In Japan ist der Kangoo beliebter denn je. Es sind vor allem die sportlichen Modelle, die eine treue Fangemeinde haben, wobei dieser Lutecia V6 extrem heraussticht.
Nur der Lutecia-Schriftzug auf der Heckklappe verrät, dass es sich um eine japanische Version des Clio V6 handelt.
In Japan gibt es eine Subkultur von Liebhabern getunter Sportwagen. Man denke nur an den Honda Civic, den Mitsubishi Evo oder den Nissan Skyline. Autos, die bereits ab Werk mit relativ einfachen, aber gleichzeitig leistungsstarken Motoren ausgestattet sind. Diese werden von Tuningfirmen oder den Besitzern selbst auf ein noch höheres Niveau gebracht. Dazu gehören auch die notwendigen äußerlichen Veränderungen.
Vertriebsweg
Kurzum: Eine kleine Gruppe von Japanern ist überzeugt: „Mehr ist besser“. Und der Renault Clio V6 passt genau in dieses Bild. Es gibt nur ein kleines Problem, das vor allem in Japan seit der Einführung der ersten Clio-Generation besteht. Der Name Clio steht für einen Vertriebskanal von Honda, der Renault daran hindert, seinen bekannten Typennamen zu verwenden. Seit den ersten in Japan verkauften Clio trugen die kompakten französischen Drei- und Fünftürer den Namen Lutecia, eine Anspielung auf den lateinischen Namen für Paris. Ein schöner Name, sogar ein bisschen schick.
Und so ziert der Name Lutecia auch das Heck des Clio V6. Der Lutecia V6 sozusagen. Olivier Janier, der im Departement Aisne lebt, ist seit seiner Kindheit verrückt nach Renault. Sein Vater fuhr einen Renault, und das hat bei dem jungen Olivier den Stein ins Rollen gebracht. Kurz nachdem er seinen Führerschein gemacht hatte, interessierte er sich besonders für die Renault 15 und 17. „Damals konnte man sie für ein paar hundert Francs kaufen, manchmal wurden sie sogar verschenkt. Niemand wollte sie haben und die meisten Exemplare waren ziemlich heruntergekommen. So wurde mein erster Hobby-Renault ein R15, den ich selbst restaurierte und mit dem ich mir viel Wissen aneignete. Ich besaß auch einen Renault 17, aber beide Autos verschwanden und wurden durch bessere ersetzt. In seiner aktuellen Sammlung hat Olivier sechs Exemplare des Coupé-Modells aus den 1970er Jahren.
Aber Olivier ist nicht engstirnig. Er hat zum Beispiel auch ein Faible für Alfa Romeo und Buick, während seine Frau eher auf Volkswagen steht. Das Ergebnis ist eine bunt gemischte Sammlung.
Der Lutecia V6 hat die gleichen Sitze wie der Clio RS mit Alcantara in der Mitte und Leder an den Sitzwangen. Der Schalthebel befindet sich auf einer speziell gestalteten Konsole. Der optionale CD-Wechsler befindet sich unter dem Beifahrersitz.
Sportliche Modelle dominieren. 2014 stieß er in Frankreich auf diesen Renault Lutecia V6. Er verfolgte das Forum des Club Clio V6 Passion und dort fiel ihm dieser Exot ins Auge. Das Auto stand in der Nähe von Épinal zum Verkauf und hatte etwa 130.000 km auf dem Tacho. Das mag manchen abschrecken. Aber der französische Erstbesitzer hatte an dem Auto technisch schon viel gemacht. So hatte der silbergraue Lutecia bereits eine neue Kupplung und auch der Zahnriemen war gerade erneuert worden. Er hatte den Wagen erst seit ein paar Monaten. Kurz nach dem Kauf fiel sein Blick auf einen schnellen Mitsubishi Lancer Evo, der seine erste Wahl war. Um diesen kaufen zu können, musste der Lutecia verkauft werden.
Olivier Janier mag sportliche Autos. Deshalb passt dieser Lutecia V6 so gut in seine Sammlung.
Olivier machte ein Angebot, und das Auto fuhr mit ihm zu seinem zweiten und vorerst letzten Standort in Frankreich. Inmitten der prächtig blühenden Rapsfelder fällt das deutlich veränderte Auto auf den ersten Blick auf, obwohl Silbergrau keine auffällige Farbe ist. Gebaut wurde die erste Generation ab Mitte 2000 bei Tom Walkinshaw Racing im schwedischen Uddevalla. Diese Zusammenarbeit war nicht von langer Dauer. Der V6 kam vor allem wegen seines unruhigen Fahrverhaltens nicht gut an, weshalb die Produktion mit der Phase II im Jahr 2003 zu Alpine nach Dieppe verlagert wurde. Dort wurden die notwendigen konstruktiven Verbesserungen vorgenommen und das Modell zur wirklichen Serienreife gebracht.
Dieses Modell wurde erst im März 2004 in Japan zugelassen, zu einem Zeitpunkt, als die Phase II bereits auf dem Markt war. Das Auto verließ das Werk jedoch bereits im April 2002. In einigen Details weist Oliviers Auto Merkmale der Phase II auf, wie z.B. Teile der Elektronik und das Renault-Logo auf der Heckklappe mit integrierter Heckklappenentriegelung. Aber es könnte natürlich auch sein, dass diese Heckklappe im Laufe seines Lebens durch eine neuere ersetzt wurde.
Der Dreiliter-V6-Vierventilmotor ist im Innenraum direkt hinter den Sitzen untergebracht, so dass der Zugang für technische Eingriffe recht eng ist.
Olivier: „Als ich das Auto kaufte, stand hinten einfach Clio V6 drauf, der Vorbesitzer hatte das Typenschild kurz zuvor geändert. Aber das Lutecia-Schild hatte er nicht weggeworfen. Ich habe es so schnell wie möglich wieder angebracht. Außerdem fand ich einen kompletten Satz Originalprospekte des Wagens, alle auf Japanisch. Wenn man die Türen und die Motorhaube öffnet, sieht man zahlreiche Aufkleber am Auto, auch alle in japanischer Schrift. Das macht den Clio zu etwas ganz Besonderem. Ich habe auch ein Serviceheft, in dem ich zwar keinen Buchstaben verstehe, aber ich kann sehen, wann mein Auto zur Wartung beim Händler war.”
Rund 136.000 Kilometer stehen auf dem Tacho, was zeigt, dass Olivier seinen Renault in den letzten zehn Jahren sehr sparsam genutzt hat. Der Zustand ist mehr als gut. Das Äußere ist makellos und auch die Räder sind sauber. Das Alter und die Kilometerzahl sieht man dem Wagen innen ein wenig an. Es gibt ein Loch in der Fußmatte, wo die Ferse des rechten Fußes liegt. Die Mittelkonsole mit dem Schalthebel ist fleckig geworden, ein Riss in der Verkleidung um das Radio (der Riss war über Nacht einfach da) und etwas Craquelé auf dem Leder der Sitze.
Vorne gibt es einen bescheidenen Platz für ein paar Gepäckstücke und mehrere Tanks können gefüllt werden.
Ein weiterer Beweis dafür, dass es sich um einen echten Lutecia handelt, ist das Namensschild auf dem Ausläufer der Mittelkonsole zwischen den Vordersitzen, ganz hinten. Es ist übrigens nicht nummeriert, wie es beim Clio V6 der ersten Generation der Fall war. Dieses Modell war für ein Auto seiner Zeit schon sehr gut ausgestattet, aber Oliviers Auto hat als Extra den originalen Alpine CD-Wechsler unter dem Beifahrersitz.
Die Sitze wirken relativ schmal, so dass nur nicht allzu große Personen guten Halt finden. Da der Motor in der Mitte direkt hinter den Sitzen platziert ist, fühlt sich der Lutecia wie ein geschlossener Kokon an. So werden während der Fahrt alle Sinne gleichzeitig angesprochen. Der 3-Liter-V6-Motor mit 24 Ventilen und einer Leistung von 230 PS bei einem Fahrzeuggewicht von 1.335 kg schnurrt zufrieden vor sich hin. Erst wenn das Gaspedal durchgedrückt wird, ertönt ein eindrucksvolles Brüllen. Und genau das macht das Auto zu einem begehrten Spielzeug. Aber auch ein Spielzeug, das seinen Fahrer auf Trab hält. Mit kindlicher Leichtigkeit bricht das Heck aus, manchmal in unerwarteten Momenten. Das klingt tückisch und ist es auch. Aber wer das Auto wirklich in- und auswendig kennt, findet diesen Charakter spielerisch. Man darf auch nicht vergessen, dass diese Generation über 20 Jahre alt ist und die Elektronik damals bei weitem noch nicht so ausgereift war wie heute. Das wiederum ist ein Segen für Puristen.
Der Clio V6 weist keine alltägliche Technik auf. Obwohl Olivier viele technische Arbeiten an seinen Autos selbst ausführt, hat er für diese kleine Rakete einen Spezialisten gefunden, vor allem für den Motor.
Auch die Bremsen tauscht er selbst aus. Das hat er erst kürzlich gemacht. Beim Fahren merkt man schnell, dass der Renault immer gut gewartet wurde. Kein Quietschen, kein Knarzen ist zu hören, wenn der V6 auf engen Landstraßen beschleunigt. Der Schlamm, den die Traktoren auf der Straße hinterlassen haben, ist getrocknet und wird von den 235/45 ZR 17 Reifen an den Hinterrädern pulverisiert. Eine Staubwolke zieht der Clio hinter sich her und landet mit einem Haufen Sand auf der Heckklappe wieder vor Oliviers Haustür. „Das gehört dazu, wenn man auf dem Land lebt. Manchmal fahren wir mit einem blank polierten Auto zu einer Veranstaltung und nach einem Kilometer ist es völlig verdreckt.“
Olivier weiß, dass es noch mindestens einen weiteren Lutecia V6 in Frankreich gibt. Wir sprechen mit seinem Designer Axel Breun, bevor wir diesen Bericht schreiben. „Ich weiß, dass damals ein Lutecia V6 mit etwa 10.000 km auf dem Tacho, aber ohne Papiere zum Verkauf angeboten wurde. Ich habe damals dafür geboten, wurde aber überboten. Ich weiß nicht, ob es dieses Auto noch gibt und ob es Nummernschilder hat oder nicht. Prototypen und Vorserienfahrzeuge werden von den Herstellern oft verschrottet, weil sie nicht den endgültigen Anforderungen entsprechen und die Marke später nicht für Probleme haften will. Das mag für Enthusiasten überraschend und schmerzlich sein, ist aber nicht anders. Das ist bei allen Marken so.”
Von der ersten Generation des Clio V6 wurden schließlich 1.513 Exemplare bei TWR (davon 1.415 in Gris Iceberg 640) und anschließend 1.309 Einheiten der Phase II bei Alpine gebaut. Nach Japan gingen 141 Exemplare der ersten Generation als Lutecia (davon 139 in Silbergrau) und 69 der Phase II. ‹›
En détail...
Renault Lutecia V6 (C61A06)
Motor:
Typ L7X, 6 Zylinder in V-Form, Benzin, 24 Ventile, sequentielle Einspritzung Bosch ME 7.4, Bohrung x Hub 87 x 82,6 mm, Hubraum 2.946 cm3. Leistung 230 (DIN) PS bei 6.000 U/min, Drehmoment 300 Nm (DIN) bei 3.750 U/min, Verdichtung 11,4:1. Elektrische Anlage: 12 Volt.
Getriebe:
Typ PK6. Schaltgetriebe mit 6 synchronisierten Vorwärts- und 1 Rückwärtsgang, Geschwindigkeit bei 1.000 U/min (km/h): 1. - 8,00, 2. - 14,85, 3. - 21,28, 4. - 28,35, 5. - 34,83, 6. - 41,34.
Federung:
Einzelradaufhängung vom Typ McPherson vorne mit Schraubenfedern, hydraulischen Stoßdämpfern und Stabilisator (25 mm). Einzelradaufhängung an der Hinterachse. Servolenkung.
Bremsen/Räder/Reifen:
Innenbelüftete Scheibenbremsen vorne (330 mm) und hinten (300 mm). Bereifung 205/50 ZR 17 vorne und 235/45 ZR 17 hinten. ABS serienmäßig.
Fahrleistungen:
Höchstgeschwindigkeit 235 km/h, Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 6,4 Sekunden.
Abmessungen/Gewichte:
Länge 3,803 Meter, Breite 1,810 Meter, Höhe 1,365 Meter, Radstand 2,510 Meter. Spurweite vorn 1,502 Meter, hinten 1,510 Meter, Bodenfreiheit 0,105 Meter. Wendekreis 13 Meter. Gewicht 1.335 kg. Tankinhalt 61 Liter.