Ein Herrscher auf der Grundlage der Gebote Gottes

Katholische Traditionen.

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Am 15. August werden in katholischen Kirchen Kräutersträuße geweiht. Die Wurzeln für diesen Brauch liegen vermutlich im germanischen Erntedankfest. Der heilige Bonifatius (672-754) versuchte darum, die im Frankenreich verbreitete Kräuterweihe im Jahr 743 zu verbieten. Seit 818 werden die Kräuter beim Marienfest in der Kirche geweiht.

Mariä Himmelfahrt ist das älteste Marienfest. In manchen Regionen wurde es schon im 6. Jahrhundert begangen. Seit dem 9. Jahrhundert wird es in der Weltkirche gefeiert. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Marienfest mit dem germanischen Brauch der Weihe von Kräuterbüscheln verbunden. Deshalb war das Fest Mariä Himmelfahrt auch bekannt unter den Namen „Unser Frauen Würzweih“, „Büschelfrauentag“ oder „Kräuterweihtag“. Der Brauch der Kräuterweihe am Himmelfahrtstag ist fast nur im deutschsprachigen Raum geläufig.

 

Nicht jede Pflanze durfte früher in den Büschel – heute ist man da flexibler. Nach alter Überlieferung verwendete man für die Kräuterbüschel nur ganz bestimmte Pflanzen. Ursprünglich durften es nur wildwachsende Heilpflanzen sein. Erst in heutiger Zeit nimmt man auch Gartenblumen.

 

Die Mitte bilden oft Rose (Maria) und Lilie (Josef). Rosmarin soll zum guten Schlaf verhelfen, Salbei zu Wohlstand, Weisheit und Erfolg, Wermut verspricht Kraft, Mut und Schutz, Minze Gesundheit. Arnika schützt gegen Feuer und Hagel. Für Glück und Liebe steht die Kamille, Getreide für das tägliche Brot.

 

Typische Kräuter sind Alant, Johanniskraut, Wermut, Beifuß, Rainfarn, Schafgarbe, Königskerze, Kamille, Thymian, Baldrian, Eisenkraut und die verschiedenen Getreidesorten. In manchen Regionen wurden in die Kräuterbüschel so viele Alantblüten eingebunden, wie Menschen, Kühe und Pferde auf dem Hof lebten.

 

Die Anzahl der Kräuter konnte schwanken, war jedoch immer eine mystische oder symbolträchtige Zahl: 7 - die Zahl steht für die Anzahl der Schöpfungstage. 9 - die Zahl steht für 3x3, also für die heilige Dreifaltigkeit. 12 – die Zahl steht für die zwölf Apostel. Beim Büschelbinden hielt man sich an 3er, 7er, 9er, 12er oder gar 33er, 72er, 77er und 99er Zahlen.

 

Die Zahl 72 geht auf eine fromme Marienlegende zurück: Die Mutter Gottes soll im Alter von 72 Jahren gestorben sein. Die Jünger hatten sie begraben, nur der in Indien weilende Thomas kam zu spät zur Bestattung. Als er schließlich eintraf, wurde extra für ihn das Grab geöffnet. Das Grab war zur großen Überraschung leer, aber es war vom lieblichen Wohlgeruch von 72 Blumen erfüllt. Vor dem Grab wuchsen die Lieblingskräuter der Gottesmutter.

 

Nach der Weihe finden die Büschel ihren Platz im Haus, meist im sogenannten „Herrgottswinkel“. Oft werden sie im Stall verteilt und bevorzugt auf dem Dachboden angebracht. Sie sind ein Schutz gegen Feuer, Hagel und Gewitter.

O Gott, Du hast durch Deinen Diener Moses den Söhnen Israels befohlen, dass sie neue Früchte den Priestern zur Segnung vorlegen und auch Früchte des schönsten Baumes mitnehmen und sich vor Dir, ihrem höchsten Herrn und Gott freuen. Siehe gnädig auf unser Rufen und gieße die Fülle Deines Segens aus über uns und über die neuen Früchte und Kräuter aller Art, die wir Dir mit Danksagung darbringen und in Deinem Namen am heutigen Tage segnen. Gewähre, dass sie Mensch und Vieh, den kleinen und großen Tieren Schutz und Arznei seien gegen Krankheit, Seuchen, Geschwüre, böse Einflüsse, Verwünschungen, Schlangengift, Bisse anderer giftiger und wilder Tiere und überhaupt gegen alles Gift.


Ja, auch gegen teuflische Vorspiegelungen, Machenschaften und Listen mögen sie Schutz bieten, wo immer etwas davon aufgestellt, getragen oder aufbewahrt wird.


Reich an Gaben guter Werke, gestützt auf die Verdienste der seligsten Jungfrau Maria, deren Aufnahme in den Himmel wir heute festlich begeh­en, mögen, wie sie, auch wir im Himmel aufgenommen werden. Durch unsern Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.


Amen.

Weihe der Kräuter am Fest Mariä Himmelfahrt